Entstehung von Wallhecken

Wallhecken sind Bestandteil einer durch Menschenhand entstandenen Kulturlandschaft, die sich in weiten Gebieten Westeuropas, von Spaniern über Frankreich, Irland, Südengland, Norddeutschland bis nach Skandinavien erstreckt. Einzelne Wallheckenexperten sehen das Phänomen der Wallheckenanlage in weltweitem Zusammenhang. So wird u. a. über wallheckenartige Begrenzungen auch aus Südamerika und aus China berichtet.

 

Die Wallhecken unterscheiden sich im Aufbau des Walllkörpers und im Bewuchs. Im Mittelmeerraum und in Großbritannien findet man überwiegend Steinwallhecken mit eher spärlicher Vegetation. Auch die kunstvoll aufgesetzten Feldmauern, vielen bekannt etwa von Mallorca, gehören dazu. In Schleswig Holstein haben die so genannten „Knicks“ mehr einen Heckencharakter, da sie regelmäßig beschnitten werden und somit nur selten Großbäume aufwachsen.

 

Bei uns bestehen die Wallkörper überwiegend aus sandigem Boden, der jeweils der unmittelbaren Umgebung entnommen worden ist. Aber auch in Norddeutschland gibt es Steinwallhecken, aufgeschichtet aus Findlingen und gesprengten Großsteinen, wie etwa in Ganderkesee. Auch einzelne Wallhecken aus Torf sind bekannt. Diese wurden vorrangig in Hochmoorgebieten angelegt, z. B. rund um Ganderkesee sowie auch im Großraum Hudermoor.

 

Der Bewuchs richtet sich nach Bodenbeschaffenheit, dem Grundwasserspiegel, dem landschaftlichen Umfeld und den vollzogenen Pflegemaßnahmen. Die ideale Wallhecke besteht aus einzelnen Großbäumen, so genannten "Überhältern", im Abstand von etwa 20 Metern, dazwischen möglichst artenreiche Busch- und Strauchvegetation, mit Kräutern und Gräsern in der Unterschicht. Einige Wallhecken weisen nur noch Großbäume auf, zum Teil auch aufgeastet, ohne niederen Bewuchs. Es gibt aber auch reine Strauch-Wallhecken ohne Bäume; schließlich wachsen an sehr kargen Standorten lediglich Gräser und Heidekraut.

 

Im Stadtgebiet von Leer überwiegen die Baum-Wallhecken mit Eichen und Erlen, je nach Grundwasserstand. Die Wallkörper bei uns sind bis zu 1 Meter hoch, an der Basis 3 Meter und an der Krone 1 Meter breit. Die überwiegende Ausrichtung der Wallhecken ist gradlinig und rechtwinklig; das sind die Wallheckenanlagen jüngeren Datums nach der Gemeindeteilung. Ältere Wallhecken, die teilweise 1000 Jahre oder älter sind, weisen häufig kurvigen Verlauf auf. Hier findet man auch nicht selten deutliche Niveau-Unterschiede im Gelände, wobei früher auf der einen Seite der Wallhecke die Grasdecke oder das Heidekraut abgeplackt und auf der anderen Seite zur Verbesserung des Ackerbodens aufgebracht wurde. So entstanden im Laufe von Jahrhunderten Höhendifferenzen von einem Meter oder mehr.

 

Wallhecken dienten anfangs zur Einfriedung der Gehöfte und Gärten als Abwehr gegen das Vieh auf der Allmende, dem Gemeinschaftsbesitz, später erst als Abgrenzung der Flächen zueinander, als Windschutz und Holzlieferant. Die Bedeutung der Wallhecken für den Naturhaushalt, für die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren, für das Kleinklima und nicht zuletzt für den Erholungswert für Menschen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es handelt sich nicht zuletzt um kulturhistorische Dokumente unseres erreichten Wohlstands.

 

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